Samstag, 15. Dezember 2012

Herr Vielverdiener und sein khakifarbener Pullunder

Heute mal ein bisschen was anderes.
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Ich weiß, dass diese Gesellschaft krank und bescheuert ist. Wirklich, ich lerne das jeden Tag aufs neue. Aber mir reichts. Ehrlich.

Wenn mein HNO-Arzt (Ein Typ, der den ganzen Tag in Nasen und Ohren herum bohrt!), den ich zuvor noch nie besucht habe und der mich nicht die Bohne kennt denkt, mir erzählen zu können, wie viel Chancen ich mit meinem Studium habe, geht das mal wieder definitiv zu weit.

“Und was wollen Sie so nach der Schule machen?”
“Ich möchte studieren.”
“Aha, und was?”
“Soziologie und Germanistik.”
“Aaaaaha.” Sagt der Arzt missbilligend. “Naaaaja.”
Eine kleine Stillepause tritt ein.
“Mit Germanistik kann man ja jetzt nicht so viel anfangen.”

“SIE ARSCH!” Möchte ich ihm entgegen schreien, begnüge mich jedoch mit einem Lächeln und einem “Wir werden sehen.”

Jawohl, ich bin ein Vertreter der Brotlosen Kunst, Jemand, der jeden verdammten Tag von Schnöseln wie diesem Arzt missbilligt wird, nur weil ich Talente habe mit denen man ja “beruflich nicht so viel anfangen kann”

Ich habe es satt gefragt zu werden “Und was willst du dann mit deinem Leben anfangen” oder “Und was willst du damit beruflich anfangen?”, ich studiere verdammt noch mal, weil mich das Fach interessiert und ich werde sicher nicht unter der Brücke landen, nur weil ich nicht etwas mache mit dem man ja Heute angeblich so viel anfangen kann.

Mach doch was mit Wirtschaft Kind, lern' Russisch und Chinesisch, das sind die Fächer der Zukunft!
Mach doch mal was mit Naturwissenschaften, den Rest kannst du dir gepflegt in die Haare schmieren!

Natürlich, das könnte ich machen. Aber das will ich nicht, weil es mich nicht interessiert!

Hey Herr Vielverdiener, der ja alles richtig gemacht hat und jetzt einen rentablen Beruf hat! Das haben Sie aber toll gemacht, alles was ich mir wünsche ist, es einmal so weit zu schaffen wie Sie!
Einen schönen Haufen Geld verdienen sie da. Ich wette da können sie ihrer Familie viel bieten, schade nur dass sie die nur so selten sehen, weil sie nur am arbeiten sind! Aber was solls, ein verkümmertes Sexleben und Kinder, auf die man keinen Einfluss hat sind bei einer solch beachtlichen Geldmenge schon zu verkraften!

Hey Herr Vielverdiener, das haben Sie aber toll gemacht, wie sie nach dem Abi eine Ausbildung/Ein Duales Studium/Ein Studium in einem Gebiet gemacht haben, das sie eigentlich gar nicht mögen, nur weil man damit “was anfangen kann”! Einen schönen Haufen Geld verdienen sie da! Das können sie ja gleich für den Therapeuten ausgeben, den Sie brauchen, weil sie leider mit 30 Jahren an Depressionen/einem Burnout-Syndrom/sonstigem leiden, weil sie jeden Tag in ihrem Gottverdammten Job hassen, weil Sie das Gefühl haben in diesem Laden innerlich zu verrotten!

Jawohl, Volkskrankheit Burnout-Syndrom ist Thema jeder zweiten Auflage einer jeden Zeitschrift.
Die Experten kratzen sich die Köpfe, wie kommt es nur dass das Volk so unzufrieden ist; Mythos Burnout, Mythos Depression, Mythos Bermuda-Dreieck, Mythos dies, Mythos das...

“Ich fühlte mich so leer” sagt Herr So im Stern-Interview, “Ich fühlte mich so wertlos” sagt Frau Undso im Spiegel-Interview; Niemand scheint zufrieden mit sich zu sein.
Die Menschen die doch eigentlich glücklich sein müssten, weil sie ja solch einen beruflichen Erfolg erleben haben plötzlich gar nichts mehr davon.

Moralapostel sagen, es geht doch um das innere im Menschen, jeder hat Talente, aber wer interessiert sich denn wirklich dafür?

Fakt ist, es interessiert keine Sau. Es geht immer nur um Leistung. Nie darum, dass die Menschen vielleicht mal mit dem was sie können und tun möchten glücklich werden.

Überall. Schon im Kindergarten.

Niemals will ich später bei diesen Müttern sitzen, die nichts besseres zu tun haben als die Leistungen ihrer 3-5 Jährigen Kinder zu vergleichen.
“Also mein Jonathan, der spielt ja jetzt Geige. Wenn das so weiter geht, melde ich ihn bei einer Musikhochschule an.”
“Also meine Sophie-Luise-Fleur-Katherina hat ja letztens ein Gedicht geschrieben, obwohl wir gar nicht wussten, dass sie schon schreiben kann, hihi. Die Kindergärtnerin sagt, sie hat Talent!”

Tja, aber Jonathans unsägliches Gequietsche hört sich total beschissen an und der Fakt, dass ihr ihn wie eine Presswurst in einen Khakigrün-weiß-karierten Pullunder gesteckt habt macht es auch nicht besser;
Und die Eltern von Sophie-Luise-Fleur-Katherina haben anscheinend immer noch nicht gepeilt, dass “Rosen sind rot, Gänseblümchen sind weiß” jetzt nicht wirklich eine bahnbrechend geniale neue Eigenkreation ist.

Ich hab die Schnauze voll von Pullunderkindern, die später Kinder kriegen die quasi schon mit Pullundern und Fliege auf die Welt kommen.

Ich jedenfalls werde später, erzählt mir über meine Studienwahl was immer ihr wollt, nicht unter eine Brücke schlafen und Tagsüber , in Lumpen gekleidet, auf dem Unigelände herumlaufen und ein Schild hochhalten, das eine neue Sekte propagiert deren Grundgedanke ist, dass Geisteswissenschaften der Anfang des Untergangs und die Ausgeburt des Bösen sind.

Vielleicht werd' ich ja doch Therapeut. Und wenn ich euch dann therapieren darf, ihr Sophie-Luise-Fleur-Katherinas und Jonathans, ihr Leistungsbesessenen Vielverdiener, dann werde ich vielleicht lächeln und sagen: “Und was möchtest du jetzt so mit deinem Leben anfangen?”

Sonntag, 18. November 2012

Please teach me gently how to breathe



“Ich mag dieses Geräusch vom Meer unterwasser. Ich höre es mir gerne an und stelle mir vor, zu ertrinken. Nicht wirklich ertrinken, mehr... schwerelos da unten bleiben ohne irgendetwas das zählt; ohne Zeit, ohne Irgendetwas.. Im Wasser treiben ohne den Drang zu atmen. Ohne atmen zu müssen; einfach nur sein und im Wasser treiben. Das stelle ich mir vor. Mein eigenes kleines Meer in meinem Kopf.”

Dann lächelst du und denkst bestimmt ich spinne. Aber du sagst es nicht sondern schaust mich nur an. “Ertrinken; ohne zu ertrinken.” sagst du und siehst in die Leere, wo du selbst in einem Meer zu versinken scheinst, wenn auch nur für einen kleinen Augenblick.

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 Das war übrigens der Text, bei dem die Idee für diesen Blog entsprungen ist. :)

Samstag, 10. November 2012

Wie ich einem Fremden mein Hirn schenkte und glücklich war

I'm not like them, but I can pretend

Langsam habe ich wirklich die Schnauze voll.
Von meinem Kopf, der Welt in der ich Leben muss, dem Fakt, dass ich mich nicht einfach damit abfinden kann und irgendwie eigentlich auch nicht will, aber dass der Krieg, den ich gegen die ganze Ungerechtigkeit führe, allein in meinem Kopf stattfindet,
Davon, dass ich genauso oft feststelle dass Individualität eine Lüge ist, wie ich mich dagegen wehre, denn im Endeffekt macht mich auch die Feststellung, dass der Wunsch nicht gewöhnlich zu sein gewöhnlich ist gewöhnlich.
Die Schnauze voll von allem was man können muss, von allen Erwartungen die von Leuten gestellt werden, die ihr Leben doch selbst nicht besser hinbekommen, sondern es nur gut verpacken können,
von allem “Du musst”, von allem “Du solltest” von allem “Könntest du mal” von den ewig sinnlosen Diskussionen und davon, dass die Existenz Dieter Bohlens in Deutschland noch legal ist,
Aber am aller meisten hasse ich, dass ich mein lautes, schreiendes, pöbelndes, hässliches, krankes Hirn nicht einmal zum schweigen bringen kann.
Also ist dies der Tag, an dem ich beschließe, es herzuschenken.


The sun is gone, but I have a light
The day is done, but I'm having fun

“Hey Sie da,” sage ich, “Ich hätte da ein Angebot für Sie.”
Der Herr, den ich mitten in der Fußgängerzone angesprochen habe, starrt mich mit leeren Augen an. - Nicht traurig-leer, eher eine friedliche, leicht debile Leere. Er trägt viel zu große Klamotten und eine zugegebenermaßen ziemlich dämliche Kappe.“Was?” fragt er charmant.
“Ich zahle Ihnen 500 €, wenn Sie mir mein Hirn abnehmen.” sage ich so beiläufig wie möglich.
Der Herr denkt sichtlich angestrengt nach. “Alter, 500€, das is ganzschön viel... Ist aber schon ziemlich kranke Scheiße, meinen Sie nicht? Das muss doch irgendeinen Haken haben, oder nicht?”
“Na ja, ich überlasse Ihnen die Entscheidung. Ich hab mit diesem Hirn Abitur gemacht, und 6 Semester studiert. Sicher, es weist leichte Gebrauchsspuren auf...aber ich lebe ja auch noch.” ich lächle.
Ich verhandle noch eine Weile mit ihm, schließlich nimmt er mein Angebot an. Ich überreiche ihm mein Hirn und das Geld, und die Welt ist plötzlich bunt und dumpf.


I think I'm dumb, or maybe just happy
 Ich laufe durch die Fußgängerzone mit einem völlig neuen Lebensgefühl.

Think I'm just happy
Die Welt ist schön, bunt und laut.

Think I'm just happy
Ich kaufe mir die BILD und freue mich zu lesen, dass “Mitten im Leben” doch nicht abgeschafft wird.

Think I'm just happy
Ich lese irgendetwas über Krieg und dass wieder irgendwo ein Atomkraftwerk in die Luft gegangen ist, und es ist mir herrlich egal.
Ich laufe weiter, irgendwo hin, völlig egal, ich vergesse meine Arbeit, meinen Alltag und für einen Moment sogar, dass ich meine Katze Heute noch füttern muss.
Irgendwo auf meiner Reise irgendwohin bleibe ich stehen und beschließe, ihr ein Ziel zu geben.
Fünf Minuten später stehe ich vor deiner Tür.

My heart is broke, but I have some glue
Ich könnte jetzt an Damals denken und es dir übel nehmen, oder dich anschreien oder dich zusammenschlagen, aber soweit denke ich garnicht. Auf dem Weg war ich bei Netto und habe für Alkohol gesorgt. Viel Alkohol.

Help me inhale and mend it with you
“Vergiss es, Vergiss alles, ich verzeihe dir alles was du gesagt und nicht gemeint hast”, sage ich “Lass uns saufen. Es lebe die Taubheit.”

We'll float around and hang out on clouds
Nach ein paar Momenten der Verblüffung entscheidest du anscheinend, dass diese Aktion so bescheuert ist, dass man sie feiern muss. “Es lebe die Taubheit”, sagst du und wir trinken und Tanzen, während die Sonne draußen unter und wieder aufgeht.

Then we'll come down and have a hangover
Am nächsten Mittag wache ich auf und weiß nicht mehr so viel, aber es ist mir egal, ich mache mir einfach keine Gedanken darüber.

Have a hangover
Im Radio spielen sie das gleiche Gedudel, dass mir jeden Tag entgegen tönt, und zum ersten Mal singe ich fröhlich mit, anstatt mich darüber aufzuregen, dass man Freude an Musik haben kann, die so wenig Tiefsinn und so wenig musikalischen Wert hat.

Have a hangover
Ich trinke eine Caprisonne, wie immer wenn ich am Abend davor getrunken habe und lese mir die Inhaltsstoffe durch. Ich zucke die Achseln und trinke weiter. Es ist mir egal.

Have a hangover
Ich frühstücke bei Mc Donalds und zum ersten Mal habe ich kein schlechtes Gewissen.


Skin the sun, fall asleep
Ich gehe nach Hause und schaue Fernsehen und poste parallel mein Essen auf Facebook, bis ich einschlafe, mit der Chipstüte auf meinem Bauch. Ein traumloser Schlaf. Ich hatte es schon für unmöglich gehalten.

Wish away, soul is cheap
In meinem wunderschönen neuen hirnlosen Leben kann ich alles vergessen, Ich vergesse, wie wenig ich von mir halte, vergesse meine Fehler, vergesse meine Feststellung, dass diese Welt aus Lügen besteht und dass der Mensch wohl doch von Natur aus ein Arschloch ist, entsprungen aus der Absicht, sich selbst den Arsch zu retten, was meist jedoch dazu führt, dass er dafür andere Leben zerstört.
Dass der Mensch vor sich hintaumelt und zerstört, zerstört, zerstört.  
“So jemand bist du, genau so. [...] Ohne eine Hand zu rühren, tötest du alles um dich herum.”*

Lesson learned, wish me luck
Ich habe so viele Fehler gemacht und die Erkenntnis war, dass es für das Leben leider keine Komplettlösung gibt und darüber nachzudenken, ob es vielleicht doch eine Lösung gibt, einen nur um den Verstand bringt.

Soothe the burn,
Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis konnte also nur die eine, wahre sein: Das Hirn zu verschenken. Endlich mal nicht zu denken. Welch eine gute Entscheidung. Soll die Welt doch zu Grunde gehen. In meinem Kopf ist Leere, kein einziger schwerer Gedanke belastet mich. Das mag egoistisch sein, aber ein Mensch, der kein Hirn im Kopf hat, denkt auch darüber nicht nach.

wake me up
Als ich am nächsten Morgen in die neue BILD schaue, lässt eine riesige bunte Schlagzeile verlauten, dass sich in meiner Stadt ein junger Mann das Leben nahm. Bei der Obduktion fanden sie heraus, dass er mit zwei Hirnen gelebt hat. Eine medizinisches Wunder; sagen die aus der Zeitung. Die ganze Welt ist verblüfft. Ich starre auf den Artikel, aber ich kann mir keine Meinung dazu bilden. Ich fühle mich insgeheim bestätigt, aber in welcher Ansicht ich mich bestätigt fühle, das weiß ich auch nicht genau. Warum ich überhaupt fühle, weiß ich nicht genau.



I'm not like them, but I can pretend
Ein leichtes stechen in der Brust begleitet mich an diesem Tag, doch ich beachte es nicht.
Ich tue das selbe wie am Tag zuvor. Ich laufe ziellos umher und erfreue mich an Banalitäten.

The sun is gone, but I have a light
Dann besuche ich dich wieder.
Das Stechen ist noch da aber wir tanzen es einfach weg.

The day is done, but I'm having fun
Vorher habe ich nie getanzt, weil ich dabei viel zu viel darüber nachgedacht habe, wie ich dabei aussehe und warum man sowas überhaupt tut.
Jetzt weiß ich garnicht, warum ich das nie getan habe.
Mein Hirn liegt irgendwo und lebt nicht mehr. Die Gedanken die darin waren, sind weg, Niemand hat sie gehört und Niemand gelesen, aber das weiß ich nicht. Ich nehme es nicht wahr und wenn ich das täte, wäre es mir egal.

I think I'm dumb, or maybe just happy
Wir tanzen, singen, vergessen. Opium für uns.

Think I'm just happy
Vielleicht fühlt es sich so an, glücklich zu sein. Ich weiß es nicht, ich handle einfach.

Think I'm just happy
Handle, wie ich gerade will und ohne Konsequenz zu fürchten oder Verantwortung zu übernehmen.

Think I'm just happy


I think I'm dumb
Meine Welt ist schön, bunt und laut. Unsagbar laut.
I think I'm dumb
Sie dröhnt. Sie schreit.
I think I'm dumb
Ich höre nicht zu.

I think I'm dumb
Die bunten Lichter blenden meine Augen, ich kann nichts sehen und nicht erkennen, was wahr und falsch ist.
I think I'm dumb
Es blendet. Es ist viel zu hell.
I think I'm dumb
Ich schließe die Augen.

I think I'm dumb
“Die Welt ist schön.” sage ich. Ich brauche mein Hirn nicht.
I think I'm dumb
“Komm, zieh dein Hirn aus, es ist herrlich, Geistig nackt zu sein” ermutige ich dich.

I think I'm dumb
Ich habe dich, wir haben uns, wir lieben nicht, wir hassen nicht, es ist alles egal.
I think I'm dumb
Schöne, neue Welt.



[Nirvana - Dumb]
*Haruki Murakami, Mister Aufziehvogel

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Blind.

"Weißt du, ich laufe immer durch die Straßen und frage mich, ob mich überhaupt Jemand sieht.
Ob überhaupt Jemand ahnt, was in meinem Kopf vorgeht.
Ob Jemand vermutet, was hinter meinen Augen lauert, 
hinter meinem Blick, hinter dieser Lebenslangen Maske.

Ob dieser Jemand vielleicht die selben Ängste hat wie ich.
-Aufzugeben.
Sich der Angst hinzugeben.
Taubstummblind zu sein.
Damit aufzuhören, zu fragen und zu schreien.-




Ob dieser Jemand meine Träume sieht, sie vielleicht auch teilt.
Ob dieser Jemand weiß, wie es brennt.
Wie schwer die ewigen Fragen auf der Brust liegen und 
wie sehr sie einem den Atem rauben können.
Welches Ausmaß dieser Sandsturm in meinem Kopf hat.

Ich frage mich, ob Menschen mich sehen.

Denn ich sehe sie.
Ich beobachte sie und frage mich was sie für Träume haben. Visionen.
Was in ihrem Kopf vorgeht.
Wie viel in ihnen steckt.

Denn in mir, da steckt so viel mehr als es ein Außenstehender wahrnehmen könnte.
Und ich will gesehen werden.

Aber die Realität ist, ich werde nicht gesehen.
Das macht mich traurig.
Die Menschen sind für Tiefsinn blind geworden."

Freitag, 12. Oktober 2012

In a world of black and white...

“Papa, früher als die Welt noch schwarz-weiß war...”
So habe ich mal irgendeine Frage begonnen, als ich klein war. Vielleicht drei, oder vier.
Ich habe damals im Fernsehen irgendetwas gesehen, irgendetwas sehr, sehr altes und sowieso war mir aufgefallen, dass die alten Filme immer schwarz-weiß waren. Dieser Fakt ließ für mich also nur die eine Annahme zu, dass die Welt früher schwarz-weiß gewesen sein muss. Eigentlich eine logische Schlussfolgerung, wie ich finde.

Heute aber bin ich mehr oder weniger groß - zumindest ist meine Kindheit traurigerweise inzwischen irgendwie irgendwo in und zwischen Kartons auf dem Speicher und im Keller, und die Fragen, die ich früher den großen Menschen gestellt hätte, haben es sich nun einzig und allein in meinem Kopf bequem gemacht.

Heute, da ich irgendwie ein bisschen groß bin, weiß ich also, dass ich meine Aussage damals nicht richtig überprüft habe. Heute weiß ich nämlich, dass die Welt eigentlich immer noch sehr sehr oft schwarz-weiß ist. Vielleicht, denke ich mir manchmal, war die Welt sogar früher noch bunter als jetzt, früher, als die Welt noch schwarz-weiß war.

Zumindest schwärmen doch die alten Menschen immer so von früher. “Früher, war alles besser” hört man sie ständig sagen, oder, “Früher hätte es das nicht gegeben.” Solche Sätze, bei denen sich in deinem Hirn ein lautes “Jaaaa, Oma, ist okay” breit macht.

Aber vielleicht hat die Oma ja auch recht. Weil alles sich viel bunter anhört, wenn sie dann anfängt zu träumen, und von den Sachen erzählt die sie früher “angestellt” hat, dann, wenn sie herzhaft in sich herein lacht und ihre Wangen tatsächlich rot werden, und du in ihren Augen für einen kleinen Augenblick irgendetwas glänzen siehst, so eine junge Frische, die kurz in ihren Augen blitzt.

Wahrscheinlich werde ich, wenn ich alt werde auch eine von denen die sagt “Früher war alles besser.” und vielleicht kommt mir dann diese Welt in der ich jetzt lebe im Nachhinein auch gar nicht mehr so schwarz-weiß vor.

Oder vielleicht ist die Welt einfach schwarz-weiß, und das Einzige was man tun kann, ist einen Pinsel zu nehmen um zumindest das eigene Leben ein wenig bunter zu gestalten.

Das wären dann wohl die wahren Lebenskünstler. Die, die sich ihr Leben, ihre Welt bunt malen.


Donnerstag, 4. Oktober 2012

Vom Unbekannten, der meine Worte stahl.

“Also hören Sie mal, ich hätte jetzt wirklich gerne mal meine Worte zurück!“
„Wie bitte?“
„Na meine Worte. Ich habe Sie lange beobachtet und nun bin ich mir sicher, SIE sind der, der mir in den falschen Momenten immer genau die Worte stiehlt, die ich brauche.“
„Ich…verstehe nicht ganz.“
“Na vor genau einer Woche zum Beispiel. Da war so ein Tag der alles verändert hat in meinem Leben. Es gibt ein paar solcher Momente im Leben und meistens kommt es genau in solchen auf die richtigen Worte an. Und ich hatte sie, diese Worte, ich hatte sie wirklich. Sie lagen mir auf der Zunge. Schon ewig. Schon seit Jahren haben genau diese Worte darauf gewartet, endlich mal ihre Freiheit zu finden und ausgesprochen zu werden. Aber wissen Sie, just in dem Moment in dem die Zeit kam sie zu sagen da.. da waren sie einfach weg. Weg. Wie vom Erdboden verschluckt.
Seitdem ist alles anders. Und ich rede hier von keiner guten Veränderung. Ich bin einsam und alles ist anders wegen den Worten die mir gefehlt haben und SIE sind schuld, denn ich bin mir sicher SIE haben meine Worte gestohlen. Gestehen Sie ihre Tat?“

„Es tut mir wirklich sehr leid um Ihre Worte, junge Dame, aber ich fürchte ich habe sie nicht und ich weiß auch nicht, wo sie sein könnten. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Postbote, der gerade Feierabend macht.“
„Sind Sie wirklich ehrlich? Ich war mir doch so sicher.. Sie sind doch ein Mann der Worte.“
„Ich? Bei allem Respekt, junge Frau aber ich bin wirklich kein Mann der großen Worte. Meine Frau würde Sie auslachen für diesen Gedanken. Ja ja, ich glaube sogar, jetzt wo sie es sagen, dass vielleicht sogar auch Jemand meine Worte stiehlt!“

„Ja aber Sie tragen doch den ganzen Tag ganz viele Worte mit sich herum! Ein riesiges Sortiment an Worten! Schöne Worte, traurige Worte, starke, sehnsüchtige, leidenschaftliche, liebevolle … vielleicht sogar große Worte.. Ich möchte Sie nicht noch einmal anschwärzen aber.. Wenn ihnen die Worte so sehr fehlen, haben Sie da nie daran gedacht, nun ja.. sich einige aus der Arbeit zu stehlen? Oder auch nur auszuborgen?“
„Beim besten Willen, auf die Idee kam ich noch nie.. aber das würde ich auch nicht wollen.. Schließlich wäre ich dann ja auch nur ein Wortdieb, und die Worte die ich mit nach Hause nehmen würde würden wahrscheinlich nicht im entferntesten denen gleichen, die mir gestohlen wurden.“
„Das ist natürlich wahr. Und wer will schon Worte in der Welt herumposaunen, die gar nicht ihm gehören.“
“Wohl nur unser Wortdieb.“
„Mieser Kerl.“
„Wissen Sie was, ich glaube ich werde Ihnen suchen helfen. Es kann ja wohl nicht sein, dass ich für die nächsten Jahre immer so weiter mache, dass ich wortlos Feierabend mache um anschließend mit meiner Frau am Tisch zu sitzen und zu reden ohne etwas zu sagen. Ich fordere hier, und jetzt meine Worte zurück, jawohl.“
„Jawohl! Ich finde sowieso, die Menschen sollten viel öfter.. 
- einen Augenblick, was wollte ich gerade sagen?“



Sonntag, 30. September 2012

Von der Kunst des Glücklichseins.

“Ich möchte dass du mich lehrst.”
“In welcher Kunst soll ich dich denn belehren?”
“In der Kunst des gesunden Egoismus.”
“Muss ich das jetzt als Beleidigung oder Kritik ansehen?”
“Oh nein, im Gegenteil! Die Eigenschaft habe ich immer am meisten an dir bewundert!”
“Nun ich weiß leider nicht, wie ich dir das beibringen soll.. hör einfach auf dir Sachen zu Herzen zu nehmen, die dich nur unnötig belasten!”
“Das ist gar nicht so einfach.. Ich versuche wirklich krampfhaft, dieses Stechen loszuwerden, der kleine heftige Nadelstich in meinem Hirn, meinem Gewissen, meinem Herzen.. aber er kommt immer wieder zurück.”

Wenn du noch nicht egoistisch bist, wurdest du anscheinend noch nicht oft genug enttäuscht.”

“Wie oft soll ich denn noch enttäuscht werden?”
“Es kommt ja auch darauf an wer dich enttäuscht. Wenn du dich ständig nur selbst enttäuschst, wird der Nadelstich bleiben.”
“Aber es ist garnicht so, dass nur ich mich enttäusche. Das tun auch andere.”
“Na dann.. Dann ist es wohl nur eine Frage der Zeit. Und dann bist du entweder glücklich.. oder leer. 'I have become comfortably numb'* fällt mir dazu gerade ein. Ich würde sagen, du entscheidest, was du wirst. Ein guter Egoist ist glücklich. Ein schlechter Egoist ist einer, der sich danach noch leerer fühlt als zuvor ohnehin schon.”

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*Pink Floyd.

"I can't explain
You would not understand
This is not how I am.
I... Have become comfortably numb "

Dienstag, 25. September 2012

"Die Maske fiel und sie zerbrach, so bin ich ihr gefolgt und fand mich nicht..."

“Kennst du dich?”
“Wie?”
“Na ob du dich gut kennst.”
“Natürlich kenne ich mich!”
“Also ich kenne mich nicht. Und eigentlich bin ich auch der Meinung, dass Niemand sich wirklich kennt. Wir glauben oft, dass es so ist. Aber irgendwie schaffen wir es doch immer wieder, uns selbst zu überraschen.”
“Überraschung ist doch aber gut.”
“Findest du? Aber es gibt ja nicht nur gute Überraschungen. Manchmal gibt es auch böse Überraschungen, und die gibt es schneller als wir glauben. Wir tun Dinge, denken Dinge und Zack- ehe du dich versiehst bist du schon wieder ein anderer Mensch.”
“Schon wieder?”
 
“Ich glaube daran, dass ein Mensch niemals nur das Leben einer einzigen Person lebt. Wir haben doch sowieso alle ganz verschiedene Persönlichkeiten in uns. Ganz viele verschiedene Gesichter. Manche zeigen wir, manche verstecken wir. Manche würden wir gerne verheimlichen aber können es nicht und manche können wir selbst nicht leiden. Manche schaden uns, manche retten uns.
Aber ein Mensch mit nur einem Gesicht, den gab und gibt es nicht. Höchstens Menschen, die ihr Leben lang eine Maske tragen.”


Sonntag, 23. September 2012

Einmal Narzissmus zum mitnehmen, bitte.


“Weißt du, manchmal denke ich, ich sollte einfach auf die Welt scheißen und mich nur noch um mich kümmern. Alles andere endet doch sowieso nur in einem Desaster.”

“Meinst du nicht, das Leben wäre dann irgendwann ein bisschen einsam?”
“Ja, das hab' ich mir auch schon gedacht. Aber dann wiederum frage ich mich, ob das so einen großen Unterschied machen würde, denn eigentlich fühle ich mich jetzt schon mit der Welt alleingelassen.”

“Wie kann man sich denn in einer so großen Welt alleine gelassen fühlen?”

“Hah, ja das scheint fast ein wenig ironisch. Aber ich glaube, gerade weil sie so groß ist, kann man sich ausgesprochen alleine fühlen an so einem großen Ort der gefüllt ist mit so viel Leben das eigentlich nicht wirklich lebt.
“Das verstehe ich nicht.”

“Ist vielleicht besser so. Auf jeden Fall gibt es nur einen Grund, warum ich es nicht schaffe mich nur mit mir selbst zu befassen.”

“Ja?”

“Weil ich micht nicht leiden kann, deswegen. Weil ich mich nicht kennenlernen möchte, aus Angst, dass ich mich nicht ertragen kann. Und wenn ich selbst mich nicht ertragen kann, warum soll mich dann eigentlich überhaupt Jemand ertragen müssen?”

“Wie meinst du das?”

“Ich meine damit nicht, dass ich sinnlos bin oder diese Welt verlassen will. Ich will hier nicht weg ...aber ich möchte auch nicht hier sein...- Ich kann es nicht erklären.
Ich begreife diese Welt nicht.
Menschen brauchen einander und doch machen sie sich nur kaputt. Ich verstehe nicht, wo darin der Sinn liegen soll.”

“Das klingt alles so konfus..”

“Manchmal denke ich, es wäre besser, wenn wir uns alle egal wären. Irgendjemand hat mal gesagt: »Wenn Jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.« Das wäre so einfach.”

“Wahrscheinlich ist es einfach zu einfach um zu funktionieren.”
“Ja, wahrscheinlich.”




Donnerstag, 20. September 2012

Stillstand

“Schau mal. Der Himmel steht still.”
“Stimmt. Nichts scheint sich zu bewegen.”
“Vielleicht bleibt ja gerade die Zeit stehen, aber wir wissen es nicht. Denk dir nur, was wir tun könnten, wenn die Zeit stehen bliebe.”

“Dann könnten wir endlich mal aufräumen, was schief gelaufen ist, ohne das Gefühl zu haben, dass die Zeit nicht auf unserer Seite ist!”
“Ja! Und endlich mal die Vorsätze erfüllen, die sich die letzten 5 Jahre vor Silvester gesammelt haben.”
“Wirklich endlose Nächte oder Tage erleben.”
“Endlose Nächte, ja.. In denen wir endlos träumen.”

“Wir könnten uns endlich einmal Zeit nehmen, nachzudenken!”
“Und endlich einfach mal nichts denken.”

“Einen wirklich zeitlosen Moment erleben!”
“Zeitlos, ja.”

“Vielleicht können wir ja eine große Kathastrophe verhindern..”
“Und würden nie zur falschen Zeit am falschen Ort sein.”

“Wir könnten endlich mal ungestört reden.”
“Oder Zeit damit verschwenden, darüber zu philosophieren, was wäre, wenn die Zeit still stünde.”

...

“Sieh mal. Die Wolke hat sich bewegt.”
“Ja.”

 















Text: ©Marie Ostwald, 2012

Dienstag, 18. September 2012

Durch.Schnitt


“Was wäre in deinem Kopf wenn man ihn aufschneiden würde?”
“Hirn. Und Blut.”
“Denk doch nicht immer so rational.”
“Wieso, was würdest du auf diese Frage antworten?”

“Erinnerungen. Träume. Tote Schmetterlinge. Raupen. Tote Worte. Worte, die die Welt verändern könnten. Ein Lachen eines Kindes und der letzte Atemzug eines sterbenden Poeten. 
Die Unendlichkeit, in der die Fantasie zuhause ist und der Kreis, indem sich meine Gedanken zu oft drehen. Die vier Wände, in die die Gedanken an dich eingeschlossen sind. Viele, viele Türen zu vielen, vielen Welten. Träume von einer Zukunft. Erkenntnisse aus dem Schlaf der Vergangenheit.
Das Paradoxon meiner Person. Viele Fragen, viel zu wenige Antworten. Stille. Schreie. Stumme Schreie. Notizen an mich selbst. Ein dunkles Unterbewusstsein. Erinnerungen an die, die in meinem Herzen sind. Und Erinnerungen an Gespräche, die ich nie haben werde.”

“Das alles ist in deinem Kopf?”
“Das und viel mehr.”
“Und das alles hat darin Platz?”
“Ja. Aber manchmal reicht das nicht. Manchmal fühle ich mich, als würde mir der Kopf zerbersten.”
“Das klingt grausam.”
“Das ist es, manchmal. Manchmal ist mein Kopf mein eigenes kleines Privates Gefängnis. Und manchmal möchte ich einfach ausbrechen.”
“Schaffst du das?”
“Man kann vielleicht vor vielem davon rennen. Aber nicht vor seinen eigenenen Gedanken.”

--
©Marie Ostwald, 2012

Montag, 17. September 2012

Tach auch.

Ja Hallo ihr Menschen da draußen.
So unschwer es auch zu erkennen ist, das hier ist tatsächlich und wahrhaftig mein neuer Blog.
Da ich inzwischen in meinem anderen Blog fast nur noch Bilder poste, das aber auch nicht wirklich ändern möchte, dachte ich mir, ich könnte ja mal noch einen Blog machen in dem ich schreibe.

Unter Schreiben stelle ich mir in dem Fall folgendes vor:

Ich schreibe schon ziemlich lange, früher habe ich oft Geschichten geschrieben, später dann Gedichte, manchmal auch Songs und so weiter. 
Leider bin ich selten dazu gekommen, eine Geschichte wirklich zu vollenden, weil ich zwar immer Szenen im Kopf hatte, aber sie nie wirklich verbinden konnte.
Also schreibe ich im Moment meistens nur einzelne, unzusammenhängende Szenen, oder Kurzgeschichten und Gedichte.

Nunja, lange Rede kurzer Sinn, einige Texte möchte ich auf diesem Blog teilen, und ich freue mich immer über Feedback. Vorallem möchte ich hier vorerst Texte einer Rubrik teilen, unter der ich Momentan gerne schreibe, und zwar, wie der Blogtitel verrät, "Gespräche, die ich nie haben werde".

Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Aber ich male mir oft Situationen im Kopf aus oder lege mir Gespräche zusammen, von denen ich weiß, dass sie im Endeffekt nie so zustande kommen werden. Manchmal denke ich mir aber auch völlig skurrile, fiktive Gespräche aus, einfach so.

Und genau die möchte ich hier veröffentlichen.

Lesefaule können hier aufhören zu lesen, Neugierige können weiterlesen :D


Sooo. Hier unten könnte ich ja, wenn ich schon so beim Tippen bin, mal ein paar Fragen beantworten!

1. Wer bist du eigentlich?
- Ich bin Marie. Tja. Wer ist diese Marie eigentlich. Ich...
bin Chaotisch, Ungeduldig, immer auf der Suche nach Inspiration, Verliebt in Sprachen, Musikverbunden (Sowohl Musik hören - wirklich hören und nicht wie die Meisten nur im Hintergrund laufen lassen- als auch selbst machen.), Tagträumer, Nachtmensch, Selbstkritisch...
...Denke oft nach dem Motto "Warum einfach denken, wenns auch kompliziert geht?", mag Menschen mit Tiefgang. und Pinguine. .. Ach, das wird schon wieder zu viel Text ;)

2. WARUM die Adresse "Monsters in mugs?"
-Oh, das ist ne super Geschichte: E i n f a c h   s o.
Jap. Einfach so, weil ichs kann.
(Und weil ich die Vorstellung von Monstern in Tassen irgendwie niedlich finde. So wie kleine Kätzchen in Tassen. Nur noch besser.)

3. Willst du jetzt immer nur nach dem Motto "Gespräche die ich nie haben werde" schreiben?
- Weiß noch nicht, ich lass das jetzt erstmal auf mich zukommen und warte ab, wie das so läuft. Wenn irgendwann dafür keine Inspiration mehr da ist schau ich weiter. Ich plane meine Texte nicht, also erstmal abwarten.

So. Mehr will ich euch auch erstmal gar nicht zumuten. Wenn ihr mehr Fragen habt könnt ihr mir sie gerne stellen :)

Bis Bald, ihr Monster! ♥