Mittwoch, 31. Oktober 2012

Blind.

"Weißt du, ich laufe immer durch die Straßen und frage mich, ob mich überhaupt Jemand sieht.
Ob überhaupt Jemand ahnt, was in meinem Kopf vorgeht.
Ob Jemand vermutet, was hinter meinen Augen lauert, 
hinter meinem Blick, hinter dieser Lebenslangen Maske.

Ob dieser Jemand vielleicht die selben Ängste hat wie ich.
-Aufzugeben.
Sich der Angst hinzugeben.
Taubstummblind zu sein.
Damit aufzuhören, zu fragen und zu schreien.-




Ob dieser Jemand meine Träume sieht, sie vielleicht auch teilt.
Ob dieser Jemand weiß, wie es brennt.
Wie schwer die ewigen Fragen auf der Brust liegen und 
wie sehr sie einem den Atem rauben können.
Welches Ausmaß dieser Sandsturm in meinem Kopf hat.

Ich frage mich, ob Menschen mich sehen.

Denn ich sehe sie.
Ich beobachte sie und frage mich was sie für Träume haben. Visionen.
Was in ihrem Kopf vorgeht.
Wie viel in ihnen steckt.

Denn in mir, da steckt so viel mehr als es ein Außenstehender wahrnehmen könnte.
Und ich will gesehen werden.

Aber die Realität ist, ich werde nicht gesehen.
Das macht mich traurig.
Die Menschen sind für Tiefsinn blind geworden."

Freitag, 12. Oktober 2012

In a world of black and white...

“Papa, früher als die Welt noch schwarz-weiß war...”
So habe ich mal irgendeine Frage begonnen, als ich klein war. Vielleicht drei, oder vier.
Ich habe damals im Fernsehen irgendetwas gesehen, irgendetwas sehr, sehr altes und sowieso war mir aufgefallen, dass die alten Filme immer schwarz-weiß waren. Dieser Fakt ließ für mich also nur die eine Annahme zu, dass die Welt früher schwarz-weiß gewesen sein muss. Eigentlich eine logische Schlussfolgerung, wie ich finde.

Heute aber bin ich mehr oder weniger groß - zumindest ist meine Kindheit traurigerweise inzwischen irgendwie irgendwo in und zwischen Kartons auf dem Speicher und im Keller, und die Fragen, die ich früher den großen Menschen gestellt hätte, haben es sich nun einzig und allein in meinem Kopf bequem gemacht.

Heute, da ich irgendwie ein bisschen groß bin, weiß ich also, dass ich meine Aussage damals nicht richtig überprüft habe. Heute weiß ich nämlich, dass die Welt eigentlich immer noch sehr sehr oft schwarz-weiß ist. Vielleicht, denke ich mir manchmal, war die Welt sogar früher noch bunter als jetzt, früher, als die Welt noch schwarz-weiß war.

Zumindest schwärmen doch die alten Menschen immer so von früher. “Früher, war alles besser” hört man sie ständig sagen, oder, “Früher hätte es das nicht gegeben.” Solche Sätze, bei denen sich in deinem Hirn ein lautes “Jaaaa, Oma, ist okay” breit macht.

Aber vielleicht hat die Oma ja auch recht. Weil alles sich viel bunter anhört, wenn sie dann anfängt zu träumen, und von den Sachen erzählt die sie früher “angestellt” hat, dann, wenn sie herzhaft in sich herein lacht und ihre Wangen tatsächlich rot werden, und du in ihren Augen für einen kleinen Augenblick irgendetwas glänzen siehst, so eine junge Frische, die kurz in ihren Augen blitzt.

Wahrscheinlich werde ich, wenn ich alt werde auch eine von denen die sagt “Früher war alles besser.” und vielleicht kommt mir dann diese Welt in der ich jetzt lebe im Nachhinein auch gar nicht mehr so schwarz-weiß vor.

Oder vielleicht ist die Welt einfach schwarz-weiß, und das Einzige was man tun kann, ist einen Pinsel zu nehmen um zumindest das eigene Leben ein wenig bunter zu gestalten.

Das wären dann wohl die wahren Lebenskünstler. Die, die sich ihr Leben, ihre Welt bunt malen.


Donnerstag, 4. Oktober 2012

Vom Unbekannten, der meine Worte stahl.

“Also hören Sie mal, ich hätte jetzt wirklich gerne mal meine Worte zurück!“
„Wie bitte?“
„Na meine Worte. Ich habe Sie lange beobachtet und nun bin ich mir sicher, SIE sind der, der mir in den falschen Momenten immer genau die Worte stiehlt, die ich brauche.“
„Ich…verstehe nicht ganz.“
“Na vor genau einer Woche zum Beispiel. Da war so ein Tag der alles verändert hat in meinem Leben. Es gibt ein paar solcher Momente im Leben und meistens kommt es genau in solchen auf die richtigen Worte an. Und ich hatte sie, diese Worte, ich hatte sie wirklich. Sie lagen mir auf der Zunge. Schon ewig. Schon seit Jahren haben genau diese Worte darauf gewartet, endlich mal ihre Freiheit zu finden und ausgesprochen zu werden. Aber wissen Sie, just in dem Moment in dem die Zeit kam sie zu sagen da.. da waren sie einfach weg. Weg. Wie vom Erdboden verschluckt.
Seitdem ist alles anders. Und ich rede hier von keiner guten Veränderung. Ich bin einsam und alles ist anders wegen den Worten die mir gefehlt haben und SIE sind schuld, denn ich bin mir sicher SIE haben meine Worte gestohlen. Gestehen Sie ihre Tat?“

„Es tut mir wirklich sehr leid um Ihre Worte, junge Dame, aber ich fürchte ich habe sie nicht und ich weiß auch nicht, wo sie sein könnten. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Postbote, der gerade Feierabend macht.“
„Sind Sie wirklich ehrlich? Ich war mir doch so sicher.. Sie sind doch ein Mann der Worte.“
„Ich? Bei allem Respekt, junge Frau aber ich bin wirklich kein Mann der großen Worte. Meine Frau würde Sie auslachen für diesen Gedanken. Ja ja, ich glaube sogar, jetzt wo sie es sagen, dass vielleicht sogar auch Jemand meine Worte stiehlt!“

„Ja aber Sie tragen doch den ganzen Tag ganz viele Worte mit sich herum! Ein riesiges Sortiment an Worten! Schöne Worte, traurige Worte, starke, sehnsüchtige, leidenschaftliche, liebevolle … vielleicht sogar große Worte.. Ich möchte Sie nicht noch einmal anschwärzen aber.. Wenn ihnen die Worte so sehr fehlen, haben Sie da nie daran gedacht, nun ja.. sich einige aus der Arbeit zu stehlen? Oder auch nur auszuborgen?“
„Beim besten Willen, auf die Idee kam ich noch nie.. aber das würde ich auch nicht wollen.. Schließlich wäre ich dann ja auch nur ein Wortdieb, und die Worte die ich mit nach Hause nehmen würde würden wahrscheinlich nicht im entferntesten denen gleichen, die mir gestohlen wurden.“
„Das ist natürlich wahr. Und wer will schon Worte in der Welt herumposaunen, die gar nicht ihm gehören.“
“Wohl nur unser Wortdieb.“
„Mieser Kerl.“
„Wissen Sie was, ich glaube ich werde Ihnen suchen helfen. Es kann ja wohl nicht sein, dass ich für die nächsten Jahre immer so weiter mache, dass ich wortlos Feierabend mache um anschließend mit meiner Frau am Tisch zu sitzen und zu reden ohne etwas zu sagen. Ich fordere hier, und jetzt meine Worte zurück, jawohl.“
„Jawohl! Ich finde sowieso, die Menschen sollten viel öfter.. 
- einen Augenblick, was wollte ich gerade sagen?“